4. Ursachen und Risikofaktoren
CMD entsteht durch eine komplexe Wechselwirkung von muskulären, anatomischen und psychischen Faktoren. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer, besonders zwischen 20 und 50 Jahren.
Stress und Alltagsgewohnheiten
Stress und alltägliche Gewohnheiten spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von CMD. Psychischer Druck führt oft zu unbewusstem Zähneknirschen oder -pressen (Bruxismus). Während des Knirschens kann der Kiefer einen Druck von bis zu 80 kg ausüben.
„Wer im Alltag, Beruf, der Partnerschaft oder im Familienleben mächtig unter Druck steht, reagiert sich oft nachts im Schlaf beim Zähneknirschen ab." – University Hospital Zurich (USZ)
Auch Gewohnheiten wie exzessives Kaugummikauen, Nägelkauen oder das Abstützen des Kinns auf der Hand können den Kauapparat zusätzlich belasten. Fehlhaltungen, wie die sogenannte „Schildkrötenposition", bei der der Kopf zu weit nach vorne geneigt ist, führen zu Nackenverspannungen, die sich auf den Kiefer auswirken können.
Biss- und Kieferprobleme
Eine fehlerhafte Verzahnung, auch Malokklusion genannt, liegt vor, wenn Ober- und Unterkiefer nicht korrekt aufeinanderpassen. Die Kiefermuskulatur muss dann ständig kompensieren. Auch Zahnersatz wie Füllungen, Kronen oder Brücken, die nicht exakt angepasst sind, können das empfindliche Gleichgewicht des Kausystems stören.
Weitere Faktoren
Verletzungen im Kopf- oder Nackenbereich können das Kiefergelenk direkt schädigen. Erkrankungen wie Arthrose, rheumatoide Arthritis oder andere entzündliche Gelenkerkrankungen greifen die Gelenkstrukturen an. Untersuchungen zeigen, dass rund 8 % der Bevölkerung eine genetische Veranlagung haben, die sie anfälliger für CMD macht.
Positiv ist jedoch, dass über 90 % der Betroffenen durch eine konsequente Therapie innerhalb von 6 bis 12 Monaten eine deutliche Linderung der Beschwerden erfahren.